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200 Jahre Chronomania


Von Holger Christmann

22.09.2021

Keine Komplikation ist so beliebt wie der Chronograph. Was macht die Armbanduhr mit Stoppuhr so begehrt? Und wie entstanden die berühmten Klassiker? 

Wer eine Armbanduhr mit zusätzlicher Stoppfunktion sucht, der wählt einen Chronographen. Dass der Chronograph außerdem die Uhrzeit anzeigt, unterscheidet ihn von der reinen Stoppuhr. Das Uhrwerk der Stoppzeiger ist dabei sauber getrennt vom Zeigerwerk der Zeitanzeige. Der Chronograph ist die Lieblingsfunktion der Uhrenfans. Entwickelt wurde sie einst für Situationen, in denen Zeiten und Geschwindigkeiten gemessen werden: im Motorsport, in der Luftfahrt. Bis heute lernen Piloten in ihrer Ausbildung, wie sie eine Maschine im Notfall mit Hilfe eines Fliegerchronographen sicher landen können, wenn die Bordinstrumente ausfallen.
Doch wie kam es überhaupt zur Erfindung des Chronographen? Wie entstanden all die Klassiker, die bis heute das Herz von Uhrenfans höherschlagen lassen. Dazu blättern wir genau zwei Jahrhunderte zurück.
Als erster Chronograph überhaupt galt lange ein Zeitschreiber, der weder eine Armbanduhr war noch die Uhrzeit anzeigte. Erfunden hatte ihn 1821 der französische Uhrmacher Nicolas-Mathieu Rieussec. König Ludwig XVIII. liebte Pferderennen. Er wollte gerne wissen, wie viel Zeit die Pferde brauchten, um ins Ziel zu gelangen. Um diese Zeit zu messen, baute Rieussec einen Apparat in einem Mahagonikasten, der die Zeiten beim Stoppen von Rennzeiten mit Tinte auf rotierenden Scheiben markierte. Offiziell zum Einsatz kam der Apparat erstmals vor genau 200 Jahren, 1821, bei Pferderennen auf dem Pariser Champ de Mars dort, wo heute der Eiffeltum steht). So sperrig der Zeitschreiber war, der Name Chronograph (von Chronos = Zeit und graphein = schreiben) passte perfekt. Bis heute wird die Erfindung Rieussecs bewundert. Montblanc feierte sie 2008 und erneut 2018 mit einer eigenen Edition. Sie trägt jetzt den Namen Montblanc Star Legacy Chronograph Rieussec. Dessen rotierende Minuten- und Sekundenzähler mit feststehendem Zeiger sind visuell und konstruktiv eine Hommage an die sich drehenden Scheiben in Rieussecs legendärem Messgerät.

Immer wieder ist die Uhrengeschichte für Überraschungen gut. Auch im Fall des Chronographen. 2012 kam auf einer Auktion in Genf ein noch älterer Chronograph als der von Rieussec ans Licht. Die Neuentdeckung besaß zudem den Charme, unseren heutigen Chronographen schon ziemlich ähnlich zu sehen. Der Franzose Louis Moinet hatte ihn 1816 in Paris vorgestellt. Der Uhrenbauer und Kunstprofessor an der Académie des Beaux-Arts hatte bislang elegante Tischuhren für den amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson, für Napoleon Bonaparte und andere gekrönte Häupter in ganz Europa gebaut. Sein Compteur de Tierces hatte die Größe einer Taschenuhr und besaß Stoppanzeigen für Sekunden, Minuten, Stunden und sowie einen langen zentralen Zeiger, der eine nicht nur für damalige Verhältnisse unglaubliche Präzision erreichte: Er maß bis auf die 60tel-Sekunde genau. Uhren von solcher Genauigkeit verlangen eine rasante Schwingung der Unruh. Moinets Chronograph erreichte 216 000 Schwingungen pro Stunde, was einer Frequenz von 30 Hertz entspricht. Zum Vergleich: Heutige Armbanduhren arbeiten mit Frequenzen von 28 800 Halbschwingungen pro Stunde oder 4 Hertz. Louis Moinet darf damit als Vater der Hochfrequenz gelten, ein Gebiet, auf dem er bis ins 20. Jahrhundert unübertroffen blieb. Der geniale Erfinder nutzte sein Instrument, um Sterne und Planeten zu erforschen. Mithilfe von Teleskop und Stoppuhr maß er die Bewegung der Himmelskörper. Ersteigert hat den Compteur de Tierces 2012 die Uhrenmarke selbst, die sie seither im Atelier Louis Moinet im schweizerischen Saint-Blaise am Neuenburger See aufbewahrt. Außerdem sorgte die Manufaktur umgehend dafür, im Guinness-Buch der Rekorde als Erfinder des ersten Chronographen eingetragen zu werden.

Der Schweizer Adolphe Nicole erhielt 1844 ein Patent für einen Mechanismus, mit dem sich der Sekundenzeiger nullstellen lässt. „Herzstück“ dieses Mechanismus ist ein sogenanntes Nullstellherz – wie es auch heute noch in den meisten mechanischen Chronographen zum Einsatz kommt. Adolphe Baud erweiterte den Chronographen um einen Minutenzähler, wodurch sich auch längere Zeiträume messen ließen.

Einen entscheidenden Sprung in die unsere Gegenwart machten die Chronographen, als sie 1913 von der Westentasche ans Handgelenk wanderten. Den Anfang machte 1913 Longines mit dem ersten Armbandchronographen. Er wurde von einem eigens konzipierten Uhrwerk, dem 13.33Z, angetrieben. Auch Omega stellte einen Armbandchronographen vor, der jedoch noch mit dem Taschenuhrkaliber 18’’ ’ CHRO ausgestattet war. 2018 feierte Omega dieses Modell mit einer originalgetreuen Replik, der auf 18 Exemplare limitierten First Omega Wrist-Chronograph Limited Edition. Im Innern der Uhr steckten aufgearbeitete historische Originaluhrwerke von 1913. Die Edition war auf 18 Exemplare limitiert, ein Exemplar kostete 120 000 Euro.

Im Ersten Weltkrieg kamen Chronographen erstmals militärisch zum Einsatz, ob an den Handgelenken von Piloten oder bei Offizieren an der Front. Ihnen halfen Chronographen mit Telemeterskala, zu erkennen, wie weit der Feind entfernt war. Wenn das Mündungsfeuer der gegnerischen Artillerie aufleuchtete, wurde die Stoppuhr gestartet, beim Ertönen des Kanonenschlags wurde sie gestoppt. Auf der Telemeterskala konnten die Militärs auf Basis der Schallgeschwindigkeit die Entfernung zum Feind ablesen und ihre eigene Artillerie entsprechend ausrichten. Es gab auch Stoppfunktionen mit Pulsometer-Skala zur professionellen Pulsmessung.

Bei den frühen Chronographen war der Drücker für Start, Stopp und Rückstellung noch in die Krone integriert. 1915 brachte Gaston Breitling den ersten Handgelenks-Chronographen der Welt auf den Markt, dessen Drücker von der Krone abgetrennt war (bis dahin war der Drücker in die Krone integriert).

In den 1920er-Jahren brachte Patek Philippe den ersten Split-Seconds-Chronographen auf den Markt. Man erkennt ihn an den zwei übereinander liegenden Sekundenzeigern. Der Split-Seconds-Chronograph erlaubt es, zwei Abläufe zu messen, die zusammen beginnen, aber getrennt enden - zum Beispiel zwei Läufer in einem 400-Meter-Lauf. Der zweite Stoppzeiger wird auch gern Rattrapante genannt – nach dem französischen Wort „rattraper“ für einholen, aufholen.

Bis dahin wurden die Chronographen meist über einen einzelnen Drücker bedient. Auch hier musste die Uhrengeschichte neu geschrieben werden. Während man bisher dachte, dass Breitling 1934 die Bedienung des Chronographen um einen zweiten Drücker erweiterte, gibt es jetzt Belege, dass Longines einen Zwei-Drücker-Chronographen schon Mitte der 1920er Jahre im Angebot hatte. Im Archiv von Longines lässt sich die Funktion bis 1925 zurückdatieren. Der Vorteil ist offensichtlich: Während man beim Monopusher die Funktionen Start, Stopp und Rückstellung nur in dieser Reihenfolge abrufen kann, also nicht nach Start und Stopp direkt wieder eine Messung starten kann, ist das beim Dual-Pusher möglich. Dort kann mit dem Drücker nach Belieben gestartet und gestoppt werden, der zweite Drücker übernimmt die Nullstellung.

Longines lieferte 1938 mit dem Kaliber 13ZN den ersten Flyback-Chronographen. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg für Piloten ein unerlässliches Instrument. Der Flyback-Chronograph hat einen zusätzlichen Drücker bei vier Uhr, mit dem sich Stopp und Reset überspringen lassen. Die Zeiger springen mit einem Knopfdruck zurück auf Null und starten automatisch eine neue Messung. Diese Funktion sparte in der Luft, wo Verzögerungen von Sekunden dazu führen konnten, dass ein Pilot vom Kurs abkam, wertvolle Zeit.

Die Erfolgsstory des Chronographen erlebte ein neues faszinierendes Kapitel 1952 mit der Einführung der Breitling Navitimer. Breitling entwickelte sie in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Aircraft Owners and Pilots Association (AOPA). Charakteristisch für die Navitimer ist die Verbindung aus Chronograph und drehbarer Rechenschieberlünette, einer Funktion, die schon 1942 in Breitlings Chronomat integriert war. Die Skalen sind auf die Bedürfnisse von Piloten ausgerichtet und umfassen wichtige Einheiten wie STAT (Standardmeilen), KM (Kilometer) und NAUT für Seemeilen oder Knoten. Die Rechenschieberlünette erlaubt Piloten, Treibstoffverbrauch, Steig- oder Sinkflugraten und Durchschnittsgeschwindigkeiten zu errechnen, falls der Bordcomputer ausfällt.

In der Nachkriegszeit wurde Motorsport immer beliebter. Die neue Formel 1 und die Langstreckenrennen von Le Mans und Daytona begeisterten Autofans in Europa und Amerika. Rennfahrer, Gentleman-Driver und Fans lernten Motorsportchronographen zu schätzen, die bald mit einer Tachymeterlünette ausgestattet waren. Diese Skala am Gehäuserand ersetzt nicht den Tachometer. Sie ermöglicht es, Durchschnittsgeschwindigkeiten auszurechen. Wer mit seinem Auto einen Kilometer zurücklegt und dafür 30 Sekunden braucht, kann an der Tachymeterlünette ablesen, dass er mit durchschnittlich 120 Kilometern unterwegs waren. Als erste Uhr mit einer Tachymeterlünette gilt die Omega Speedmaster (1957). Sie war eigentlich für Motorsportler gedacht, bis Omega sich erfolgreich als Ausrüster für das Apollo-Raumfahrtprogram der Nasa bewarb und sich dabei gegen andere Konkurrenten durchsetzte. Als Buzz Aldrin im Rahmen der Apollo-11-Mission den Mond betrat, trug er die Omage Speedmaster Moonwatch am Handgelenk.

Ein weiterer Klassiker des Motorsportchronographen ist die TAG Heuer Carrera. Sie ist benannt nach einem mexikanischen Autorennen, das aufgrund vieler unbefestiger Bergstraßen auf der Route als das gefährlichste der Welt galt: die Carrera Panamericana. Jack Heuer, der Erfinder und Designchef der Uhr, schreibt in seiner Autobiographie: „In Sebring hörte ich erstmals das spanische Wort Carrera. Ich liebte nicht nur seinen sexy Klang, sondern auch seine vielfältige Bedeutung, die Straße, Rennen, Kurs und Karriere einschloss.“ Neben der Carrera genießt heute auch ein anderer Motorsport-Chronograph, die TAG Heuer Autavia, Kultstatus unter Sammlern. Sie kam noch vor der Carrera auf den Markt. Ihr Name ist ein Akronym aus „Automobile“ und „Aviation“. Während die Carrera mit einer Tachymeterlünette ausgerüstet ist, besitzt die Autavia, je nach Modell, eine 60-Minuten-Skala oder eine 12-Stunden-Einteilung. Sie ermöglicht das einfache Ablesen abgelaufener Rennzeiten.

Fast gleichzeitig mit der Carrera kam 1963 der Rolex Cosmograph Daytona auf den Markt, ebenfalls ein Chronograph mit absoluter Motorsport-DNA. Benannt wurde er nach dem 24-Stunden-Rennen, das seit 1959 auf dem Daytona International Speedway in Florida stattfindet. Besonders begehrt unter Sammlern sind ist die Rolex Daytona mit schwarz-weißem-Zifferblatt und monochromen Totalisatoren (Fans sprechen in Anlehnung an die Farben des chinesischen Bären vom Panda- oder Reverse-Panda-Zifferblatt). Eine solche Version, die der Schauspieler Paul Newman besaß, erzielte 2017 auf einer Versteigerung des Auktionshauses Phillips einen Verkaufspreis von 17,7 Millionen Dollar. Sie ist damit die zweitteuerste jemals versteigerte Armbanduhr.

1969: Die ersten automatischen Chronographen
Ende der 1960er Jahre brach eine neue Epoche für die Chronographen an. Die Schweizer Uhrenbranche merkte, dass die Nachfrage nach Uhren mit Handaufzug stetig zurückging. Die Kunden verlangten nach Automatikuhren. Es war Zeit für die Branche, auch den Chronographen mit automatischem Aufzug anzubieten. Das stellte die Konstrukteure vor eine Herausforderung. Automatikuhren funktionieren über einen Rotor, der die Bewegungsenergie des Trägers an den Aufzugsmechanismus der Uhr weitergibt. Ein solcher Rotor braucht seinen Platz und wenn auch noch der Chronographen-Mechanismus hinzukam, wurde die Uhr zu dick. Eine Lösung schien in Sicht, als die Buren Watch Company auf der Baseler Messe 1967 einen neuen, dünneren Microrotor vorstellte. Es brauchte nun noch eine passgenaue Kombination mit dem Chronographen-Mechanismus, den der Chronographen-Spezialist Dubois-Dépraz beisteuerte. Jack Heuer – Chef und Eigentümer der Uhrenmarke Heuer (seit 1985 TAG Heuer) – brachte die Partner zusammen und gewann Willy Breitling als Co-Investor. Die Konstruktion der Uhr gelang, und am 3. März 1969 stellte das Konsortium Heuer, Breitling, Buren, Dubois-Dépraz parallel in Genf und New York das erste automatische Chronographen-Uhrwerk mit dem berühmten Kaliber 11 vor. Heuer stellte dazu drei Modelle vor, die mit dem revolutionären Antrieb ausgestattet werden sollten: Autavia, Carrera und die neue quadratische Heuer Monaco, Breitling integrierte das Kaliber 11 in die Navitimer Chrono-Matic. Typisch für das Uhrwerk war, dass die Krone links, die Drücker rechts angebracht waren.

Zwei Monate vorher hatte Jack Heuer erkennen müssen, dass ein Konkurrent ebenfalls einen Automatikchronographen entwickelte hatte und ihm medial zuvorgekommen war: „Am 10. Januar 1969, blickte ich in meine Lokalzeitung und hätte mich fast an meinem Kaffee verschluckt. Da stand eine kleine Meldung, dass die Schweizer Uhrenfirma Zenith den weltweit ersten Automatik-Chronographen ,El Primero‘ entwickelt habe und dass es einen funktionierenden Prototyp gebe“, schrieb Heuer in seiner Autobiographie. Und auch außerhalb der Schweiz schlief man nicht. In Japan war Seiko dem Zeitgeist auf der Spur und hatte ebenfalls einen Automatikchronographen entwickelt, der jedoch zunächst nur in Japan angeboten wurde. Das Kaliber trug den Namen Seiko 6139.

1974 kam mit dem Valjoux 7750 (heute Eta 7750 Valjoux) das erste preisgünstige Chronographen-Werk mit Automatikaufzug auf den Markt. Es wurde zum Bestseller und steckt bis heute in vielen Uhren im unteren bis mittleren Preisbereich.

1999: A. Lange & Söhne und die Geburt des Haute-Horlogerie-Chronographen
1999 setzte A. Lange & Söhne neue Maßstäbe in der Herstellung von Chronographen. Zu diesem Zeitpunkt besaßen nur wenige Hersteller eigene Chronographenwerke. Selbst Patek Philippe setzte auf das zugelieferte und verlässliche Lemania CH27 und präsentierte erst 2005 seinen ersten komplett eigenständigen In-House-Chronographen. A. Lange & Söhne stellte sechs Jahre zuvor eine Uhr mit komplett neuem Chronographenwerk vor und mit innovativen technischen Lösungen, die sich die sächsische Manufaktur patentieren ließ: so einem Schalthebel zur Einstellung des exakten Springpunkts des Minutenzeigers. Der Datograph ist der erste Chronograph seit der Longines 13.33Z, der sowohl einen springenden Minutenzähler als auch die Flyback-Funktion umfasste. Beim Flyback-Chronographen werden Stoppen, Nullstellen und Starten in einem Vorgang zusammengefasst. Die Zeiger fliegen quasi mit einem Knopfdruck zurück in die Ausgangsposition. In punkto Ingenieurskunst, aber auch in der Veredelung aller Werkteile stellte das L951.1, das Uhrwerk des Datograph, alles in den Schatten, was es bisher an Chronographen gab.

2004 enteilten die Glashütter der Konkurrenz ein weiteres Mal: Der Double Split war der erste mechanische Chronograph mit Doppel-Rattrapante-Funktion. Der Double Split verfügt nicht nur über geteilte Sekundenzeiger, sondern auch über geteilte Minutenzeiger. Beide Zeigerpaare lassen sich getrennt voneinander anhalten. Zudem kann das gestoppte Rattrapante-Zeigerpaar die noch laufenden Chronographenzeiger wieder einholen. So werden auf mechanischem Wege Vergleichs- und Zwischenzeitmessungen bis zu einer Dauer von 30 Minuten möglich - eine unerreichte uhrmacherische Leistung der Feinuhrmacher aus dem sächsischen Glashütte.

Mit dem Triple Split ging A. Lange & Söhne sogar noch einen Schritt weiter. Dessen Mechanismus steuert drei Zeigerpaare synchron und unabhängig voneinander. Der Triple Split ist der erste mechanische Rattrapante-Chronograph der Welt, der mehrstündige Vergleichszeitmessungen erlaubt, und das auf die Sechstelsekunde genau.

Seit 2010: Eine neue Generation von Chronographen
Seit den 2010er-Jahren ist ein Wettlauf um Rekorde auf dem Gebiet der Chronographen entbrannt. Mehrere Marken erzielten Spitzenleistungen mit Hochfrequenzmodellen: so TAG Heuer mit der Mikrogirder, die eine Zeitmessung von 1/2000stel Sekunde ermöglicht. Zenith stellte 2021 einen Defy-Extreme-Chronographen vor, dessen Chronographenmodul 360 000 Halbschwingungen pro Stunde (50 Hertz) erreicht und auf die Hundertstelsekunde genau misst.

Bulgari erzielt Weltrekorde auf dem Gebiet der ultraflachen Uhren. 2019 präsentierte die römische Uhren- und Schmuckmarken-Ikone mit Schweizer Uhren-Manufaktur mit dem Octo Finissimo Chronograph GMT Automatic den flachsten, jemals gebauten mechanischen Zeitmesser mit Stoppfunktion: einen Automatik-Chronographen mit peripherem Aufzugsrotor, Schaltradsteuerung, klassischer horizontaler Kupplung und zweiter Zeitzone. Auch andere Hersteller investierten in die Qualität und Robustheit ihrer Chronographen.


Die Kunden lieben Klassiker: die Omega Speedmaster Moonwatch, die auch die extremen Anforderungen der neuen Master-Chronometer-Tests besteht. Hoch im Kurs steht auch der IWC Portugieser Chronograph, die klassisch-elegante Gentleman-Uhr. Für seine Chronographen entwickelte IWC in seiner sehenswerten neuen Manufaktur am Stadtrand von Schaffhausen die erste IWC-eigene Chronographen-Kaliberfamilie 6900. Auf der Hitliste der besten Chronographen steht auch TAG Heuer mit seinen Modellen Autavia, Carrera und Monaco ganz oben. Beim neuen Manufakturwerk Heuer 02 sitzt die Krone, anders als beim Kaliber 11, nicht mehr links, sondern rechts. So mancher Fan muss sich entscheiden: Will er den authentischen Chrono-Look von einst, oder das authentische TAG-Heuer-Uhrwerk? Zenith erinnert mit seinen Chronomaster-Revival-Modellen an die Glanzzeit, als das El Primero mit dem Heuer-Kaliber 11 Kopf an Kopf lag.

In der Pole Position bei Chronographen liegt auch Breitling. Die Rückkehr des Breitling-Modells Chronomat 2021 mit 60-Minuten-Lünette zeigt, wie wichtig Chronographen auch heute für die Bieler Uhrenmarke sind. Natürlich ist der Chronomat, ebenso wie die Breitling Navitimer im Retro-Look mit dem Manufakturwerk, dem bewährten B01, ausgestattet.

Dass bei Chronographen gerade Klassiker hoch im Kurs stehen, ist kein Zufall. Uhren wie die TAG Heuer Carrera im Vintage-Stil von 1963, die Omega Speedmaster oder die Breitling Navitimer lassen sich vergleichen mit den Sportwagen der sechziger Jahre, die unvergleichlich rassig gestylt waren. Anders als die Roadster von einst werden „Classic Cars“ fürs Handgelenk heute wieder gebaut – und vereinen das Beste aus allen Epochen: Design von einst und die Technik von heute.


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NÜTZLICHE BEGRIFFE AUS DER WELT DER CHRONOGRAPHEN:


Monopusher oder mehrere Drücker?

Die ersten Chronographen besaßen einen Drücker, der die Funktionen Start-Stopp-Nullstellung nur in dieser Reihenfolge abrufen konnte. Eine Additionszeitmessung war bei den Monopushern nicht möglich. Meist war der Drücker in die Aufzugskrone integriert. Longines und Breitling entwickelten in den 1920er und 30er Jahren den separaten Rückstelldrücker. Sie ebneten damit dem Zwei-Drücker-Chronographen den Weg. Heute werden Monopusher-Chronographen von Menschen geschätzt, die eine nostalgische Ader haben oder den Chronographen selbst selten nutzen, aber auf die Funktion nicht verzichten wollten.

Schaltrad oder Kulissenschaltung?

Wer einen der Drücker betätigt, um eine Zeitmessung zu beginnen, löst damit den Chronographen-Mechanismus aus. Um die Zeiger des Chronographen in Bewegung zu setzen, bedarf es einer Kupplung, die steuert, ob die Zeiger starten, stoppen oder zurückgestellt werden. In den ersten Chronographen übernahm diese Steuerung ein kleines Schaltrad mit bis zu neun aufragenden Säulen (daher wird das Rad auch Säulenrad genannt), in deren Zwischenräume Hebel eingreifen können, um die gewünschte Aktion auszulösen. Das Schaltrad ist bis heute die eleganteste Form der Chronographensteuerung. Es macht das Handling der Start-Stopp-Drücker leichtgängig. Das Schaltrad muss aufgrund seiner komplexen Dreidimensionalität jedoch aufwendig gefräst werden und ist entsprechend teuer. Wegen seiner konstruktiven und ästhetischen Raffinesse setzen Haute Horlogerie-Marken wie A. Lange & Söhne, Patek Philippe und Vacheron Constantin auch heute auf die Schaltrad-Technik.

Die Alternative zum Schaltrad ist die Kulissenschaltung. Bei ihr übernimmt ein Schaltnocken die Steuerung der Start-Stopp-Funktion. Diese Schaltnocken werden gestanzt und sind damit günstiger in der Herstellung. Das am weitesten verbreitete automatische Chronographenwerk mit Kulissenschaltung ist das Valjoux 7750, das heute vom Werkehersteller Eta produziert wird. Der Drückermechanismus des Eta Valjoux 7750 ist etwas schwergängiger als der einer Schaltradsteuerung. In punkto Zuverlässigkeit ist es die Kulissenschaltung dem Schaltrad jedoch ebenbürtig.

Automatik oder Handaufzug?

Die überwiegende Mehrheit der Chronographen wird seit der Erfindung des Automatikchronographen 1969 von Automatikwerken angetrieben, aber einige besonders exquisite laufen nach wie vor mit Handaufzug. Der Grund: Chronographenwerke gehören zu den optische Eindrucksvollsten. Ein ausladender Aufzugsrotor, wie ihn die Automatikuhr benötigt, verdeckt viel von der veredelten Mechanik. Beispiele für Chronographen mit Handaufzug sind die Patek Philippe Chronograph 5172G und der A. Lange & Söhne Datograph mit seinem Kaliber L951.6.

Flyback-Chronographen

Flyback-Chronographen wurden für Piloten im Zweiten Weltkrieg entwickelt, um deren Sicherheit zu erhöhen. Der Flyback-Chronograph hat einen zusätzlichen Drücker bei vier Uhr, mit dem sich Stopp und Reset überspringen lassen. Die Zeiger springen mit einem Knopfdruck zurück auf Null und starten automatisch eine neue Messung. Diese Funktion sparte in der Luft, wo Verzögerungen von Sekunden dazu führen konnten, dass ein Pilot vom Kurs abkam, wertvolle Zeit.

Rattrapante-Chronograph, auch Split-Seconds Chronograph oder Schleppzeiger-Chronograph genannt

Der Rattrapante-Chronograph (von franz. rattraper = einholen, aufholen) ist mit einem dritten Drücker und mit zwei übereinanderliegenden Sekundenzeigern ausgestattet. Der zweite Zeiger wird Schleppzeiger genannt. Im Normalbetrieb wird der zweite Zeiger vom ersten unauffällig „mitgeschleppt“. Auf den ersten Blick ist er oft nicht zu erkennen. Sobald eine zweite Messung parallel zur ersten stattfindet, koppelt er sich ab. Die Konstruktion erlaubt es, Zwischenzeiten und Endzeiten zu stoppen und Vergleichsmessungen vorzunehmen. So lassen sich jetzt die Zeiten zweier Läufer heim 400 Meter-Lauf messen und vergleichen.

Skalen: Tachymeter, Telemeter, Pulsometer

Messskalen laufen außen um das Zifferblatt eines Chronographen herum, meist sind in die Lünette geprägt, etwa bei der Omega Speedmaster. Am bekanntesten sind die Tachymeterskalen. Sie messen die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer festgelegten Strecke in einer bestimmten Zeit. Wer 24 Sekunden braucht, um einen Kilometer zurückzulegen, kann auf der Tachymeterskala ablesen, dass seine Durchschnittsgeschwindigkeit 150 km/h betrug.
Telemeterskalen messen Entfernungen: Wer in der Ferne einen Blitz sieht und sofort den Chronographen startet, und ihn stoppt, wenn er den Knall hört, kann die Entfernung des Gewitters auf dem Zifferblatt ablesen. Diese Skalen waren auch in Kriegszeiten nützlich, um die Entfernung der gegnerischen Artillerie einzuschätzen.
Ein Chronograph mit Pulsometer-Skala erlaubt das Messen eines Pulses genauer als mit den drei Fingern auf der Innenseite des Handgelenks. Man löst über den Drücker den Chronographenzähler aus, sobald man den Patienten den Puls fühlt. Man zählt zwanzig Pulsschläge. Beim zwanzigsten stoppt man den Chronographenzähler über den Drücker. Der lange Zeiger gibt dann die Anzahl der Pulsschläge pro Minute an.

Holger Christmann
Häufig gestellte Fragen: 

Was bedeutet bei Uhren eigentlich Chronograph?
Welche Funktionen hat ein Chronograph?
Worin besteht der Unterschied zwischen Chronographen und Chronometer?
Welche Marken bieten Chronographen an?
Chronograph, Chronometer, Cosmograph: Was ist eigentlich der Unterschied?
Chronograph mit Automatik- oder Handaufzug?
Was sind die Funktionen der Drücker eines Chronographen?
Wozu brauche ich eine Chronograph Uhr?
Wie funktioniert die Stoppfunktion (= Chronograph) meiner Uhr?

Alle Antworten finden Sie im Blog-Eintrag. 
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