GMT: Die Uhr für Vielflieger und Vieltelefonierer

GMT: Die Uhr für Vielflieger und Vieltelefonierer

von Holger Christmann am 30.03.2022

Wer kennt das nicht? Auf Reisen will man mit Freunden, Familie oder (ungern) mit dem Büro im Heimatland telefonieren, fragt sich aber erstmal, wieviel Uhr es dort gerade ist. Die GMT-Uhr verrät es auf einen Blick.

Was ist GMT?

Ein Fun Fact vorweg: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren weder in Deutschland noch irgendwo sonst auf der Welt die Uhren aufeinander abgestimmt. Orte oder Regionen stellten die Kirchturmuhren nach dem höchsten Sonnenstand zur Mittagszeit. Dabei kam es zu Abweichungen, die erst auffielen, als überall auf der Welt minutengenaue Eisenbahnfahrpläne erstellt wurden (hier verkneifen wir uns Scherze über die Deutsche Bahn).

Noch 1891 monierte Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke vor dem Reichstag, dass es „in Deutschland fünf verschiedene Einheitszeiten“ gebe. „Wir rechnen in Norddeutschland, einschließlich Sachsens, mit Berliner Zeit, in Bayern mit Münchener, in Württemberg mit Stuttgarter, in Baden mit Karlsruher und in der Rheinpfalz mit Ludwigshafener Zeit.“ Zwei Jahre später trat in Deutschland eine Einheitszeit für das geeinte Reich in Kraft, die sich an den genauen Messungen des Observatoriums von Greenwich orientierte. Dort befand sich der nullte Längengrad, hier galt die Greenwich Mean Time (GMT). Die gesetzliche Zeit in Deutschland war nun laut Reichstagsbeschluss „die mittlere Sonnenzeit des fünfzehnten Längengrads östlich von Greenwich“.

Die Eisenbahn war ein Wegbereiter der einheitlichen Zeitrechnung. 1883 hatten sich die großen Eisenbahngesellschaften der Vereinigten Staaten darauf geeinigt, das Land in fünf Zeitzonen einzuteilen und sich bei der Normung auf das verlässliche telegrafische Signal des Observatoriums von Greenwich zu stützen. Ein Jahr später trafen sich diplomatische Vertreter von siebenundzwanzig Staaten der Welt in Washington D.C., zur Internationalen Meridian-Konferenz und einigten sich auf Greenwich als Nullmeridian. Die Staatenvertreter teilten die Welt in westlicher und östlicher Richtung in jeweils 180 Längengrade und 24 Zeitzonen mit Zeitunterschieden von plus 12 im Osten und minus 12 in Richtung Westen. Der Nullmeridian spielte für die Navigation auf hoher See eine wichtige Rolle: Mit Hilfe der Greenwich-Zeit konnten Seefahrer jederzeit den Längengrad ihrer Position berechnen und somit auch den genauen Standort ihres Schiffs bestimmen.

GMT ist bis heute der Ausdruck für die Zeitzone rund um den nullten Längengrad. Daneben wurde 1972 ein zweiter Begriff eingeführt, UTC („koordinierte Weltzeit“). Er ist der Standard für die Berechnung von Ortszeiten weltweit und fußt auf den Messungen von Atomuhren und astronomischen Parametern. Die Zeitangaben von UTC und GMT sind jedoch deckungsgleich.

Was ist eine GMT-Uhr, und wie funktioniert sie?

Eine GMT-Uhr ermöglicht das gleichzeitige Ablesen der Ortszeit und einer zweiten Zeitzone. Sie ist die perfekte Uhr für Menschen, die beruflich oder privat viel reisen und in verschiedenen Zeitzonen unterwegs sind. GMT-Uhren besitzen neben Stunden, -Minuten- und Sekundenzeiger einen GMT-Zeiger, der die zweite Uhrzeit darstellt. Den GMT-Zeiger stellt der Träger über den Drücker vor oder während seiner Reise auf die zweite Zeitzone ein. Er kann dann auf einer Dienstreise in Shanghai beim Blick auf die Uhr um 16:30 Uhr nachmittags ohne viel Nachdenken sofort sehen, dass es in Deutschland 9:30 Uhr morgens ist und er jetzt in seinem Heimatbüro anrufen kann. Der optisch hervorgehobene GMT-Zeiger bewegt sich mit derselben Geschwindigkeit wie der Stundenzeiger und vollzieht innerhalb von 12 Stunden eine komplette Umdrehung.

Um auch Tag- und Nachtstunden (10 Uhr versus 22 Uhr) sofort unterscheiden zu können, fanden Hersteller unterschiedliche Lösungen. Die einen – Rolex, Mido, Omega, Oris – versehen den Zeitmesser zusätzlich mit einem 24-Stunden-Lünettenkranz, auf den sich der GMT-Zeiger einstellen lässt. Meist sind die Lünetten zweifarbig gehalten, um Morgen- und Abendstunden optisch zu unterscheiden. Andere – wie IWC bei der Pilot’s Watch UTC Spitfire oder Blancpain bei der Quantième Annuel GMT – zeigen die zweite Zeitzone in einem eigenen 24-Stunden-Fenster oder auf einem 24-Stunden-Hilfszifferblatt an. Panerai öffnet ein kleines Fenster bei 9 Uhr, von dem abzulesen ist, ob sich die GMT-Zeit im AM- (vor dem Mittag) oder PM- (nach dem Mittag)-Bereich befindet. Eine eigene Lösung hat Nomos Glashütte für sein einziges GMT-Modell – die Tangomat GMT    ausgetüftelt. Sie stellt in einem Fenster bei drei Uhr (dort, wo sonst das Datum sitzt) die zweite Zeitzone als 24-Stunden-Skala dar, und veranschaulicht darüber hinaus die 24 Zeitzonen über Flughafencodes, die in einem Fenster bei neun Uhr ablesbar sind. Damit zählt die Tangomat GMT eigentlich zu den Weltzeituhren. Technisch sind die Flughafencodes und die 24 Stunden-Skala auf zwei drehbaren Scheiben im Uhrwerk gespeichert.

Spitzfindige unterscheiden zwischen GMT-Uhren für Vielreisende und solche für „Vieltelefonierer“. Damit sind Geschäftsleute gemeint, die viel mit einer anderen Zeitzone telefonieren – bzw. Videokonferenzen abhalten –, ohne dafür selbst den eigenen Längengrad zu verlassen. Wer viel reist, stellt in der Regel nach der Ankunft im Zielland den Hauptstundenzeiger auf dessen Zeit ein. Hier ist es von Vorteil, wenn sich die Uhr in Stundenschritten verstellen lässt, ohne das Uhrwerk anzuhalten, schließlich läuft die Zeit auch beim Stellen der Uhr weiter. Wer vorwiegend „per Telefon“ mit anderen Ländern kommuniziert, lässt den Hauptstundenzeiger unangetastet, freut sich aber über einen GMT-Zeiger, der sich unkompliziert verstellen lässt.

GMT DATE
Blancpain | GMT Date
6662 1127 55B
Mit der GMT-Komplikation können zwei Zeitzonen gleichzeitig angezeigt werden. Neben seiner schlichten, aber eleganten Erscheinung, die für alle Modelle dieser Kollektion charakteristisch ist, zeichnet sich der Zeitmesser durch die beeindruckend einfache Ablesbarkeit der beiden Zeiten aus. Die Ortszeit, nach der sich das Datum richtet, wird im Vordergrund auf einem erhabenen Stundenkreis mit traditionellen römischen Ziffern angezeigt. Die Referenzzeit kann auf einer 24-Stunden-Skala abgelesen werden. Den beiden Zeitzonen sind jeweils eigene Zeigerformen zugeordnet: für die Stunden und Minuten der Ortszeit durchbrochene Blattzeiger, für die zweite Zeitzone ein Zeiger mit roter Dreieckspitze.

12.110,00 €*
LUMINOR GMT POWER RESERVE - 44 MM
Panerai | Luminor GMT Power Reserve - 44mm
PAM01321
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Mido| Ocean Star GMT
Mido| Ocean Star GMT
M026.629.17.051.00
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Wer erfand die GMT-Uhr?

Die GMT-Uhr kam auf die Welt, weil die Luftfahrt nach ihr verlangte. 1953 entwickelte die kleine (und heute noch bestehende) Schweizer Marke Glycine auf Wunsch des britischen Piloten und Kommandanten Chat Brown die erste Uhr mit mehreren Zeitzonen und GMT-Zeiger, die Airman. Sie besaß ein 24-Stunden-Zifferblatt plus 24-Stunden-Lünettenkranz. Sie versammelt ganz schön viele Ziffern auf engstem Raum. Eine übersichtlichere Lösung fand eine andere Marke.

Mit der boomenden zivilen Luftfahrt wuchs der Bedarf nach Zeitzonen-Uhren. 1952 startete die amerikanische Fluglinie PanAmerican World Airways im großen Stil Transatlantikflüge mit der neuen Douglas DC 6. Flugkapitäne, Geschäftsleute und andere Jetsetter, die zwischen den Zeitzonen hin- und herpendelten, brauchten eine Uhr, die ihnen half, den Überblick zu behalten. 1953 fragte das PanAm-Management bei Rolex-Gründer Hans Wilsdorf für ihre Kapitäne eine Uhr an, die zwei Zeitzonen anzeigte: die des Abflugs- und die des Ankunftsortes. Ein Jahr später legte das Genfer Unternehmen die Uhr mit dem Namen GMT Master vor. Sie besaß zwei Stundenzeiger. Der Pfeilzeiger für die zweite Zeitzone drehte sich in 24 Stunden einmal um 360 Grad. Er korrespondierte mit einer 24-Stunden-Lünette. Mit der GMT Master war der Urtyp und das Vorbild aller späteren GMT-Zeitmesser war geboren.

Andere Marken traten in ihre Fußstapfen. Die GMT-Funktion wurde eine der beliebtesten unter Uhrenfans. Prominente Modelle sind neben der Rolex GMT-Master II die Omega Planet Ocean 600 M Co-Axial Master Chronometer GMT, die Panerai Luminor GMT und die Blancpain GMT Date.

Mit dem Boom des Reisens erlebte noch eine weitere mondäne Komplikation einen enormen Aufschwung: die Weltzeituhr. Hier spielte der Genfer Uhrmacher Louis Cottier eine wichtige Rolle. Der geniale Konstrukteur gilt als Vater dieser Großen Komplikation. Er erfand 1931 den berühmten Weltzeitmechanismus von Patek Philippe. Auch für andere Marken entwickelte er Uhren für betuchte Kosmopoliten. Doch das ist eine andere Geschichte, die wir an dieser Stelle noch erzählen wollen.

Holger Christmann
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